Historische Gräber auf Eiderstedt
Gruft Römer-Becker (vermutlich 1793) auf dem Friedhof in Kotzenbüll






Gruft Römer-Becker in Kotzenbüll
Otto Heinrich Römer
*08.05.1840 zu Oldenswort † 26.09.1907 zu Flensburg
Wilhelmine Elisabeth Dorothea Römer, geb. Becker
*18.06.1859 zu Kotzenbüll † 27.11.1932 zu Flensburg
J. Becker † 11.12.1887
Peter Becker † 23.11.1865
und weitere Familienmitglieder der Familien Römer und Becker
Die Familien Römer und Becker waren einst sehr wohlhabende und einflussreiche Familien auf Eiderstedt. Unter anderem als Lehensmann, Kirchen- und Schulvorsteher sowie als Landespfennigmeister prägten ihre Familienmitglieder über Generationen das öffentliche Leben. Sie besaßen beachtliche Ländereien von rund 240 Demat (was heute etwa 130 Hektar entspricht) und den bekannten „Römerhof“ in der Gardinger Chaussee, der bis heute existiert. Die vermutlich im Jahr 1793 erbaute Familiengruft ist architektonisch so ausgerichtet, dass sie genau in Richtung dieses Hofes zeigt.
Zuletzt zog es den Römerhofbesitzer Otto Heinrich Römer und seine Cousine sowie Ehefrau Wilhelmine Elisabeth Dorothea Becker nach Flensburg, wo sie hochherrschaftlich und kinderlos lebten. Die Verbindung zur Heimat blieb jedoch weiterhin sehr eng. Otto Römer verstarb 1907 und Wilhelmine Becker als letzte Familienerbin im Jahr 1932. Nach ihrem Tod gingen die Ländereien als Stiftung an den damaligen Kreis Eiderstedt, während antike Einrichtungen des Hofes und wertvolles Familiensilber an das Museum Landschaft Eiderstedt übergeben wurden. Im zweiten Weltkrieg wurde vieles davon jedoch leider veräußert.
Eine Ewigkeitspflege mit Währungshürden
Bereits lange vor ihrem Tod einigte man sich mit der Kirchengemeinde vertraglich darauf, dass diese die Gruft auf Ewigkeit pflegen sollte. Damals flossen zunächst im Jahr 1882 1.000 Mark, 1887 weitere 1.500 Mark an Stiftungsgeldern. Doch die große Hyperinflation von 1923 machte die Gelder über Nacht praktisch wertlos. Um die Verpflichtung zu sichern, erfolgte im Jahr 1938 ein Nachschuss aus dem Nachlass über 1.500 Reichsmark. Ein Flensburger Testamentsvollstecker riet dem damaligen Pastor dazu, das Geld sofort auszugeben, um es vor einer weiteren Entwertung zu schützen. Ob dies geschah oder ob das Geld bei der nächsten Währungsreform 1948 erneut wertlos wurde, lässt sich heute nicht mehr zweifelsfrei rekonstruieren.
Die Sanierung der Gruft (2026)
Heute steht die Gruft unter Denkmalschutz. Dass sie so umfassend saniert werden konnte, ist einer noch existierenden und von der Kirche losgelösten „Römer-Stiftung“ zu verdanken. Ein erfahrener Steinmetz und Restaurator hat die Anlage im Niederdruckverfahren gereinigt und neu verfugt. Schadhafte Teile und Aufmauerung wurden gerichtet oder ersetzt und die historische Schrifttafel neu ausgelegt. Auch die schwere Stahltür, die in die Gruft hineinführt, wurde fachgerecht repariert und im ursprünglichen Farbton gestrichen. Oberhalb der Gruft befinden sich die Gräber der Familie Römer, welche von unseren Friedhofsgärtnern liebevoll neu bepflanzt wurden. Das Innere der Gruft – in dem die Särge der Familie Becker ihre letzte Ruhe gefunden haben – schmückt eine beeindruckend aufwendige Deckenwandmalerei. Deren Restaurierung war uns aus Kostengründen jedoch leider nicht möglich. Die nun noch übrigen Stiftungsgelder sind fest dafür eingeplant, die Gruft auch in Zukunft so lange wie möglich weiter zu pflegen.
