Revier I

Historische Grabsteine auf dem Niebüller Parkfriedhof

Der Bereich um die Ehrenmäler wurde in 2019 durch das Friedhofswerk mit tätiger Unterstützung des Bauhofes der Stadt Niebüll neu gestaltet. Der Bürgerwindpark Niebüll und die Stadt Niebüll unterstützten hierbei finanziell.
Im Zentrum steht das in den 1920er Jahren erbaute Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges, das ursprünglich etwas weiter östlich im Rondell vor der Osterkapelle stand und vor etwa 20 Jahren an den jetzigen Standort versetzt wurde.
Direkt dahinter wurde eine Eiche gepflanzt, deren Krone diesen Bereich später einmal schön überragen wird. Eine Ligusterhecke wird eine immergrüne Kulisse hinter den Gedenksteinen schaffen, um diese besser hervorzuheben. Außerdem wird eine Ablagefläche für Kränze gebaut. Eine Bank lädt zum Verweilen ein und eine Informationstafel wird nähere Hinweise über die Historie dieses Ortes geben.

Familie Lorenzen († 01.12.1852 / † 15.10.1870)

Familie Lorenzen

Peter Lorenzen *1.1.1781 Niebüll † 1.12.1852 auf Wetteringshof im Christian-Albrechts-Koog

Catherine Dorothea Lorenzen, geb. Hansen *20.6.1794 † 15.10.1870

Peter Lorenzen heiratete 1815 Catherine Dorothea Hansen aus Langenhorn. Sie betrieben die vom Vater geerbte Krämerei in der Hauptstraße (heute Hausnummer 14, gegenüber dem Niebüller Hof). Hier wurde mit Produkten des täglichen Gebrauchs und mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen gehandelt.

Zur Zeit der napoleonischen Kontinentalsperre gegen England (1806 – 1814) trieb er regen Schmuggelhandel über den alten Sielhafen Südwesthörn und Helgoland mit England und verdiente damit viel Geld. Bei einer Kontrolle wurde er von den dänischen Behörden erwischt und zu zwei Jahren Festungshaft in Rendsburg verurteilt. Nach damaligem dänischen Recht war es möglich, dass eine andere Person ersatzweise diese Strafe verbüßt. Lorenzens Freund Heinrich Brandt hat die Strafe dann für ihn abgesessen und wurde dafür von ihm mit der Uhlebüller Kornmühle beschenkt.

Der Grabstein befand sich ursprünglich auf dem alten Friedhof bei der Christuskirche. Nach 160 Jahren war die Schrift unleserlich geworden. 2018 wurde der Stein fachmännisch im Auftrage der Nachfahren restauriert.

Kriegerdenkmal 1871

Kriegerdenkmal 1871

Das Kriegerdenkmal wurde 1898 vom Kampfgenossenverein vor dem Südportal der Christuskirche in der Kirchenstraße aufgestellt.

Gemauert aus Feldsteinen fand sich unter dem deutschen Reichsadler und einer Plakette mit dem Bildnis Kaiser Wilhelm I. eine Tafel mit folgender Inschrift:

„Zur Erinnerung an den glorreichen Feldzug 1870-71 den gefallenen Kameraden vom Kampfgenossenverein gewidmet. 1898“

Hier traf man sich jährlich zur Feier des Sedanstages, später am Volkstrauertag und gedachte der Gefallenen. Mit der Aufstellung der „trauernden Friesin“ verlagerte sich das Geschehen dorthin.

Die Wirrungen der 1968er betrafen auch Niebüll und so beschloss 1970 der Kirchenvorstand und die Stadtvertretung, das Denkmal zu entfernen und an einem unauffälligen Platz wieder aufzustellen. 1972 erfolgte der Abriss, an der Stelle des Denkmales entstanden Parkplätze.

Adler und Relief des Kaisers verschwanden, der Adler wurde nie wiedergefunden.

Die Neuaufstellung vergaß man und nach etwa 40 Jahren fand man den Findling mit der unbeschädigten Tafel nach unten liegend im Grünstreifen des Parkfriedhofes.

Der Niebüller Geschichtsverein, mittlerweile im Besitz des Kaiserreliefs, erwirkte vom Kirchenvorstand die Genehmigung zur Aufstellung des verbliebenen Restes auf dem Parkfriedhof. Seit 2014 steht das Denkmal wieder.

Familie Müller († 06.10.1886 / † 11.04.1907)

Familie Müller

Peter Müller *24.10.1819 † 06.10.1886

Kye Müller, geb. Hansen *03.01.1823 † 11.04.1907

Peter Müller war Tischler und Gemeindevorsteher von 1876 bis 1886. Er lebte mit seiner Frau Kye in einem Strohdachhaus an der Ecke Hauptstraße/Böhmestraße. Sie betrieb dort eine Putzmacherei.

Sein Sohn Johannes Müller errichtete an dem Standort 1888 einen Gründerzeitbau und war dort als Kaufmann tätig. Es war das erste „moderne“ Geschäftshaus in Niebüll.  Heute ist dort unter der Adresse Hauptstraße 30 die VR-Bank.

Pastor Friedrich August Feddersen (*26.05.1838 † 15.07.1908)

Pastor Friedrich August Feddersen

*26.05.1838 † 15.07.1908

Feddersen wurde in Wester-Schnatebüll als Sohn des Porträtmalers Hans Peter Feddersen des Älteren geboren. Sein Bruder war der Kunstmaler Hans Peter Feddersen der Jüngere. Von 1866 bis 1880 war er Diakon in Niebüll und anschließend Pastor bis 1908.

Er war Mitbegründer des Friesischen Vereins für Niebüll und Deezbüll und war von 1879 bis 1908 erster Vorsitzender. Seine Sammlung friesischer Altertümer, die er im Laufe seiner 42jährigen Dienstzeit zusammengetragen und im Pastorat aufbewahrt hatte, gingen nach seinem Tode ins Schmicker-Haus in der Hauptstraße 3 und wurden später der Grundstock des Friesenmuseums im Osterweg 76.

Feddersen war verheiratet mit Friederice Margaretha Unger. Von den drei Kindern starben zwei sehr früh. Die Mutter ertrank mit nur 39 Jahren auf dem Rückweg von einem Besuch am Grabe ihres Sohnes nach Hause in einem Graben. Pastor Feddersen blieb für den Rest seines Lebens allein.

Er schrieb das Buch „Erinnerungen eines Dorfpredigers“, in dem er Geschichten aus Niebüll berichtet, ohne allerdings die richtigen Namen der Bewohner zu nennen.

1908 trat er in den Ruhestand und zog zu seinem Sohn Friedrich nach Hanau. Vom Heimweh getrieben zog es ihn nach kurzer Zeit wieder nach Niebüll, wo er bald darauf im Krankenhaus Flensburg verstarb.

Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges

Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges

Das Denkmal zeigt einen mit Eichenlaub bekränzten Stahlhelm und erinnert an die 82 Niebüller Gefallenen des Ersten Weltkrieges. Auf vier Seiten trägt es folgende Inschrift:

DIE LIEBE – IST STARK – WIE DER TOD. – UNSER DANK

Die Aufstellung erfolgte in den 1920er Jahren auf dem Rondell vor der Osterkapelle. Um das Jahr 2000 wurde es an den jetzigen Standort versetzt.

Alwin Julius Lensch (*12.06.1880 † 11.02.1938)

Alwin Julius Lensch

*12.06.1880 in Witzwort † 11.02.1938 in Niebüll

Nach dem Besuch des Lehrerseminars in Tondern wurde Lensch zunächst Lehrer in Rodenäs und Flensburg.

1912 wurde er Rektor der Niebüller Volksschule.

1917/18 Teilnahme am Ersten Weltkrieg.

1919 ist er Organisator des großen Friesentags am 19.08.1919 in Niebüll mit über 10.000 Teilnehmern.

Als Niebüll nach der Volksabstimmung und der neuen Grenzziehung 1920 Kreisort wurde, organisierte er den Bau von Wohnungen und sorgte mit dafür, dass Niebüll ein Gymnasium bekam. Er war Angehöriger des Kreistages.

Nach der Machtergreifung 1933 lieferte sich Lensch heftige Auseinandersetzungen mit der NSDAP und wurde daraufhin als Rektor vorzeitig in den Ruhestand versetzt und auch kurzzeitig inhaftiert.

Er starb nach langer Krankheit mit nur 53 Jahren. Ein großes Gefolge geleitete ihn zu seiner letzten Ruhestätte.

Seine Söhne fielen 1941 und 1944 im Zweiten Weltkrieg, die Tochter starb 1956, seine Ehefrau Minna, geborene Nissen, starb als letzte der Familie am 10.10.1957.

In Niebüll sind die Grundschule und eine Straße nach Alwin Lensch benannt.

Julius Jacob Momsen (*09.01.1866 † 13.04.1940)

Julius Jacob Momsen

*09.01.1866 auf Marienhof/Emmelsbüll † 13.04.1940 in Deezbüll

Momsen enstammte einer alten nordfriesischen Bauernfamilie vom Marienhof (Emmelsbüll), er war Hoferbe und Landwirt. Durch seine große öffentliche Tätigkeit hat er Besonderes geleistet. Schon 1887 gründete er den Landwirtschaftlichen Verein für die Wiedingharde und war jahrelang führend tätig im Landwirtschaftlichen Kreisverein, in der Landwirtschaftskammer und in der „Schleswig-Holsteinischen Landschaft“, er war Mitglied des Kreistages 1917 – 1933 und des Provinziallandtages von 1909 – 1933. Aus Protest gegen den politischen Umschwung legte er 1933 alle seine öffentlichen Ämter nieder. In der Abstimmungszeit 1919/1920 trat er als Versammlungsredner und in Zeitungsartikeln entschieden für die deutsche Sache ein.

Seit 1920 wohnte Julius Momsen in Deezbüll. Er förderte die Heimatforschung und war Mitarbeiter am nordfriesischen Wörterbuch. Neben der Leitung des Friesischen Vereins für Niebüll und Deezbüll von 1922 – 1933 hatte er auch den Vorsitz des Hauptvereins von 1922 – 1927 inne. Beim Ankauf des Friesenmuseums im Osterweg und an der Ausgestaltung war er maßgebend beteiligt.

Das Grab befand sich ursprünglich auf dem Deezbüller Friedhof.

Gedenkstein ehemalige Schüler der Landwirtschaftsschule

Gedenkstein Landwirtschaftsschule

Der Findling trägt die Inschrift:

UNSEREN GEFALLENEN EHEMALIGEN SCHÜLERN

LANDWIRTSCHAFTSSCHULE NIEBÜLL

1939  –  1945

Der Gedenkstein verweist auf die Geschichte der Landwirtschaftsschule von 1913 in Tondern, die 1921 nach der Abstimmung nach Niebüll wechselte und 1998 aufgelöst wurde.

1952, zur Zeit von Schuldirektor Franz Hjuler, wurde an der Schule in der Gotteskoogstraße 22 der Stein aufgestellt, der an die 125 Toten ehemaligen Landwirtschaftsschüler erinnert. 1958 wurde der Stein in den Garten des Schulneubaus umgesetzt, der heute das Diakonische Werk beherbergt.

Seit Auflösung der Schule fristete der Gedenkstein, obwohl von den Beruflichen Schulen gepflegt und an den Volkstrauertagen besucht, ein nahezu unbeachtetes Dasein.

Auf Initiative der ehemaligen Landwirtschaftsschüler Hellmuth Freitag und Wolfgang Stapelfeldt wurde der Stein 2013 an den jetzigen Standort verbracht.

Pastor Hans Jebsen (*19.06.1894 † 29.11.1971)

Pastor Hans Jebsen

*19.06.1894 in Flensburg † 29.11.1971 in Sittensen

Hans Jebsen war seit dem Jahre 1938 in der Ev.-Luth. Landeskirche Schleswig-Holsteins tätig, und zwar zunächst in Flensburg, dann in Kropp und danach auf Langeneß. Von 1952 bis zu seiner Pensionierung 1959 verwaltete er die Pfarrstelle in Osterhever, Westerhever und Poppenbüll. Nach seiner Zurruhesetzung versah er noch von 1963 bis 1967 den pfarramtlichen Dienst in Koldenbüttel.